Zur Startseite Zur Sitemap
zurück

Informationen über einheimische Rabenvögel:

Aaskrähe (Corvus corone)

Die Aaskrähe gliedert sich in mehrere geographische Subspezies auf, von denen die Rabenkrähe Corvus c. corone (links) und die Nebelkrähe Corvus corone cornix (rechts) die bedeutendsten sind. Der systematische Status dieser beider Formen ist bei verschiedenen Autoren umstritten. Im allgemeinen jedoch werden sie als Unterarten behandelt, da sie entlang ihrer Kontaktzone hybridisieren.

Rabenkrähe Nebelkrähe
Körperbau und Verbreitung Zeit- und Raumnutzung Nahrung Fortpflanzung Literatur

Körperbau und Verbreitung Seitenanfang

RabenkräheDas Gefieder der Rabenkrähen ist einfarbig schwarz und weist bei adulten Individuen einen metallisch stahlblauen Glanz auf. Juvenile Tiere kann man etwa bis zum 16. Lebensmonat an ihrem dunkelbraunen bis mattschwarzen Gefieder erkennen.
Der Schnabel ist sehr kräftig und an der Wurzel befiedert. Dies unterscheidet die Rabenkrähe von der etwa gleich großen und ebenfalls reinschwarzen Saatkrähe, bei der Schnabelwurzel und Teile der Gesichtspartie keine Federn tragen.
Die Rabenkrähe ist, nach dem Kolkraben, der zweitgrößte einheimische Vertreter der Singvögel. In ausgestreckter Haltung ist sie durchschnittlich 47 cm lang und die Flügellängen liegen etwa zwischen 28 und 36 cm, wobei Männchen im Durchschnitt etwas größer als Weibchen sind. Das Körpergewicht schwankt zwischen etwa 410 g und 655 g.

Raben- und Nebelkrähe weisen ein transpaläarktisches Verbreitungsgebiet auf, wobei die Rabenkrähe nahezu ganz Westeuropa besiedelt. Die Verbreitungsgrenze verläuft im Norden durch Schottland, im Osten entlang der Elbe, südwärts durch Böhmen und den Wienerwald zu den österreichischen und italienischen Alpen und weiter westwärts bis in die Schweiz, von wo aus sie dann südwärts bis zur ligurischen Mittelmeerküste reicht. Sowohl im Norden, als auch im Osten und Süden trifft das Verbreitungsgebiet der Rabenkrähe auf das der Nebelkrähe. Die beiden Subspezies sind entlang ihrer Verbreitungsgrenzen jedoch nicht deutlich voneinander getrennt, sondern bilden relativ stabile Hybridisierungszonen von etwa 30-150 km Breite.


Zeit- und Raumnutzung Seitenanfang

Charakteristische Lebensräume für Rabenkrähen sind offene und halboffene Landschaften. Als Nist- und Schlafplatz, Warte und Deckung werden Bäume, Sträucher, Feldgehölze oder Waldränder benötigt. Für die Nahrungssuche werden Flächen mit relativ kurzer Vegetation, wie zum Beispiel Ackerland, Viehweiden und Mähwiesen, bevorzugt. Da sich eine entsprechende Kombination von Landschaftselementen oft im Kulturland findet, gehören die Krähen zu dessen typischen Bewohnern. Rabenkrähe auf LampeGrößere dichte Wälder werden hingegen gemieden oder nur entlang von Bachtälern oder Schneisen beziehungsweise an Lichtungen besiedelt.
Seit Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts erschließen Rabenkrähen auch vermehrt Städte, und sind mittlerweile sogar bis in die innenstädtischen Bereiche vorgedrungen. Hier steht ihnen eine beträchtliche Menge an Abfällen als Nahrung zur Verfügung, und ständig kurz gehaltene Grünflächen können ganzjährig zur Nahrungssuche genutzt werden.


Nahrung Seitenanfang

Die omnivoren Krähen weisen ein sehr breites Nahrungsspektrum auf, das stark vom örtlichen und zeitlichen Nahrungsangebot bestimmt wird.
Wichtigste pflanzliche Nahrung ist Getreide, wobei Mais und Weizen anderen Getreidearten gegenüber oft bevorzugt werden. Wildsämereien, Knollen, Früchte (z.B. Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Beeren, Walnüsse, Eicheln, usw.) und andere Pflanzenteile werden zur Zeit ihrer Reife ebenfalls genutzt. Tierische Nahrung besteht zum überwiegenden Großteil aus Insekten sowie deren Larven (Käfer, Schnaken, Raupen, Heuschrecken, usw.) und Regenwürmern. Schnecken, Wirbeltiere und Eier werden dagegen weniger häufig aufgenommen. Trotz des Artnamens "Aaskrähe", ist Aas nur in bestimmten Regionen, wie z.B. in Hochland-Schafzuchtgebieten Norwegens und Schottlands, ein wichtiger Nahrungsbestandteil, spielt sonst aber eine eher untergeordnete Rolle.
Abfälle stellen mittlerweile insbesondere in Städten eine wichtige Nahrungsquelle dar, die zudem das ganze Jahr über konstant zur Verfügung steht. Auch Mülldeponien werden ganzjährig frequentiert, sind aber vor allem im Winter von Bedeutung.


Fortpflanzung Seitenanfang

Rabenkrähen sind territoriale Einzelbrüter und leben in monogamer Dauerehe. Jedes Brutpaar beansprucht für sich ein eigenes Revier, das es gegen Artgenossen verteidigt und dessen Besitz Voraussetzung für die Durchführung einer Brut ist.
Die physiologische Geschlechtsreife wird meist im Alter von zwei Jahren erreicht. Die Revierbesetzung erfolgt in Mitteleuropa etwa in der Zeit von Januar bis Ende März; wobei bereits etablierte Territoriumsbesitzer - zumindest unter den Standvögeln - in der Regel aber ganzjährig in ihrem Revier anzutreffen. Zwischen der Besetzung eines Reviers und der ersten Brut können ein bis zwei Jahre vergehen.
Mit dem Nestbau wird Ende Februar bis Anfang März begonnen. Für gewöhnlich beteiligen sich beide Partner, manchmal baut aber auch nur einer, während der andere Material zuträgt. Der Bau eines neuen Nestes dauert meist 4-7 Tage, wird aber gelegentlich für mehrere Tage unterbrochen. In der Regel wird jedes Nest nur einmal, bei Mangel an günstigen Niststandorten oder an Nistmaterial ausnahmsweise jedoch auch mehrmals genutzt.
Bevorzugt erfolgt der Bau in hohen Bäumen oder Sträuchern, gerne in kleineren Baumgruppen oder am Waldrand. Auch hier wird die Flexibilität der Art wieder deutlich, denn es finden sich in Abwesenheit geeigneter Gehölze bisweilen auch Boden-, Felsen- und Gebäudenester. Strom- und Gittermasten werden dagegen selbst in Anwesenheit von Bäumen des öfteren als Niststandorte ausgewählt.
In Mitteleuropa liegt der Legebeginn in der Zeit von Ende März bis Mitte Mai, meistens aber im April. Krähen ziehen in der Regel nur eine Jahresbrut auf, wobei Vollgelege aus zwei bis sechs Eiern bestehen. Bei Verlust des Vollgeleges oder sogar der Nestlinge, können ein bis zwei Ersatzbruten in dazu neu erstellten Nestern erfolgen; aber die Bereitschaft hierzu nimmt mit Fortschreiten der Brutsaison deutlich ab.
Die Brutdauer beträgt im allgemeinen 18-19 Tage, während derer ausschließlich das Weibchen brütet und dabei vom Männchen mit Nahrung versorgt wird. Nach dem Schlüpfen der Jungen schließt sich die 30-35 Tage dauernde Nestlingsphase an, während der das Weibchen die Jungen zumindest nachts noch bis zum 17.Tag hudert.
KrähenschwarmDie flüggen Jungen verbleiben auch nach dem Ausfliegen zunächst noch einige Wochen im Familienverband und werden noch etwa vier bis fünf Wochen von beiden Eltern gefüttert. Danach schließen sie sich in der Regel Schwärmen an.
Langfristige Untersuchungen an verschiedenen Rabenkrähenpopulationen zeigten, daß die Bruterfolge oft gering sind (etwa 1 Jungtier/Brutpaar), was meist dadurch zustande kommt, daß nur etwa die Hälfte der Bruten überhaupt flügge Jungtiere hervorbringt.


Literatur Seitenanfang
  • Melde, M. (1984): Raben- und Nebelkrähe. Die neue Brehm-Bücherei Nr. 414, Ziemsen Verlag, Wittenberg Lutherstadt.

Aaskrähe Elster