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Europäischer Feldhase (Lepus europaeus PALLAS, 1778)

Er ist in den letzten zwanzig Jahren ins Gerede gekommen: Drastische Bestandsrückgänge bereiten nicht nur den Jägern Sorgen.

Körperbau und Verbreitung Zeit- und Raumnutzung Nahrung Fortpflanzung Literatur

Körperbau und Verbreitung Seitenanfang

FeldhaseDer Feldhase besitzt einen langgestreckten Körperbau. Die Kopf-Rumpf-Länge liegt bei 60 bis 76 cm, die Körpermasse zwischen 2,5 und 6,5 kg, wobei Rammler etwas leichter als Häsinnen sind. Besonders auffällig sind die großen, 12-14 cm langen Ohren der Hasen, die an den Spitzen tiefschwarze Flecke aufweisen und ein sicheres Unterscheidungsmerkmal gegenüber dem Wildkaninchen darstellen.

Das Fell besteht aus feine Unterwolle und einer steiferen Grannenbehaarung, die auf der Oberseite braungelbe und an den Körperseiten rostrote Farbtöne mit schwarzen Spitzen aufweist. Bauch und Schwanzunterseite sind weiß.


Zeit- und Raumnutzung Seitenanfang

FeldhaseAls ursprünglicher Steppenbewohner bevorzugt der Feldhase offene bis halboffene Landschaften. Dementsprechend stellt die heutige landwirtschaftlich genutzte Kulturlandschaft den bedeutendsten Anteil seines Lebensraumes dar. Geschlossene Waldgebiete werden kaum besiedelt.

Die Größe des Aktionsraumes variiert je nach Gegebenheiten beträchtlich. Er kann von wenigen Hektar bis über 300 ha reichen.
Feldhasen legen keine Baue an, wie es z.B. die Wildkaninchen tun, sondern verbringen das gesamte Jahr an der Bodenobefläche, was bedeutet, daß die Tiere den Elementen mehr oder weniger schutzlos ausgesetzt sind. Durch diese Lebensweise sind die Tiere jedoch auf ein verhältnismäßig mildes und niederschlagsarmes Klima angewiesen. Ein gewisses Maß an Schutz bieten die sogenannten Sassen, in denen die Hasen ihre Ruhephasen verbringen, und von denen sie in ihren Streifgebieten mehrere besitzen. Sie werden unter Ausnutzung des Bodenreliefs meist an deckungsbietenden, windgeschützten und sonnigen Stellen angelegt.

Der Aktivitätsschwerpunkt des Feldhasen liegt typischerweise in den Nachtstunden. Bei hohen Dichten scheinen die Tiere jedoch auch tagsüber aktiv zu sein.

Sein Verbreitungsgebiet umfaßt ganz Mittel- und Osteuropa, sowie Teile des vorderen Orientes und einige Mittelmeerinseln. Darüber hinaus wurde er eingebürgert in Irland, Skandinavien, Chile, Argentinien, Nordamerika, Südsibirien, im Fernen Osten, in Australien und Neuseeland.


Nahrung Seitenanfang

Äsender JunghhaseDer Feldhase ist ein reiner Pflanzenfresser. Adulte Tiere benötigen täglich etwa eine Nahrungsmenge von 1300 -1400 g. Den Hauptteil stellt während des ganzen Jahres die Grünäsung. Daneben werden auch z.B. Rüben, Kartoffeln und Getreide aufgenommen. Im Herbst steigt der Anteil an Samen und im Winter und Frühjahr der von Holz und Rinde.
Der Wasserbedarf wird normalerweise aus der Nahrung gedeckt.



Fortpflanzung Seitenanfang

Wenige Tage alter JunghaseIn Deutschland beginnt die Paarungsaktivität meist im Dezember. Die Hasen verlassen ihre Sassen und beginnen zu treiben. Die durchschnittliche Reproduktionszeit liegt etwa bei 220 Tagen, wird jedoch klimatisch bedingt verkürzt oder verlängert. Die Trächtigkeitsdauer der Häsin beträgt 40 bis 43 Tage, kann jedoch durch Superfötation (Nachempfängnis durch Befruchtung mehrerer Eier aus verschiedenen Ovulationsperioden) auf lediglich 37 bis 39 Tage verkürzt sein.
Die meisten Sätze bestehen aus einem bis fünf Jungtieren. Die Anzahl der Sätze pro Jahr liegt zwischen zwei und fünf. Die Angaben zur Anzahl gesetzter Junghasen je Reproduktionsperiode schwankt zwischen 3,2 und 11,3 Jungtieren pro Häsin und Jahr. Hierbei kann es im gleichen Gebiet von Jahr zu Jahr und auch zwischen klimatisch unterschiedlichen Gebieten durchaus zu großen Schwankungen kommen.
Der Feldhase gehört zu den wenigen einheimischen Tierarten, die ene stark reduzierte Jungenfürsorge zeigen. Die Jungen werden meist ohne besondere Vorbereitung des Wurfplatzes an einer geschützt und trocken liegenden Stelle geboren. Bisweilen wird der Geburtsort mit Wolle oder einigen trockenen Pflanzenteilen geringfügig ausgepolstert. Kurz nach der Geburt entfernt sich die Häsin nach einem ersten Säugen von den Neugeborenen und sucht sie fortan nur einmal täglich zum Säugen auf, meist etwa eine Stunde nach Sonnenuntergang. Um eine ausreichende Ernährung gewährleisten zu können ist die Milch sehr energiereich sein. Daher liegt ihr Fettgehalt mit 23,1% bis 23,6% weit über den Normalwerten anderer Säugetiere.
Das Geburtsgewicht beträgt zwischen 80 und 180g. Die Neugeborenen haben als typische Nestflüchter ein vollständig ausgebildetes Haarkleid und geöffnete Augen. Meist teilt sich der Wurf und kommt einzig zum Säugen zusammen. Die Länge der Säugezeit variiert stark (15 bis 35 Tage). Die erste Aufnahme pflanzlicher Nahrung erfolgt etwa ab dem Alter von zehn Tagen.


Literatur Seitenanfang
  • Schneider, E. (1978): Der Feldhase. BLV Verlagsgesellschaft München.