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Das Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben zum Schutz
gebäudebewohnender Fledermausarten


Bearbeiter: Markus Dietz und Marion Weber

Das Projekt umfasste gemäß den Richtlinien für E&E-Vorhaben ein sogenanntes Hauptvorhaben, das vom Arbeitskreis Wildbiologie bis zum Juni 2001 durchgeführt wurde. Ergänzend zu den praxisorientierten Maßnahmen des Hauptvorhabens wurden wissenschaftliche Begleituntersuchungen von der Abteilung Tierökologie der Universität Marburg durchgeführt.

Weitere Informationen erhalten Sie im Abschlussbericht.


Finanzierung Konzept Öffentlichkeitsarbeit Quartierschaffung

Finanzierung Seitenanfang

Die Maßnahmen des Hauptvorhabens wurden überwiegend in dem mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf durchgeführt und im weiteren auf ihre bundesweite Übertragbarkeit geprüft. Neben den Mitteln des Bundesumweltministeriums standen Gelder der Stiftung Hessischer Naturschutz und aus der naturschutzbezogenen Ausgleichsabgabe zur Verfügung. Letztere wurden zweckgebunden für die Quartierneuschaffungen verwendet und vom Regierungspräsidium Gießen zur Verfügung gestellt.


Konzept Seitenanfang

   Das Hauptvorhaben verfolgte im wesentlichen zwei Ziele:

  • Um die Akzeptanz gegenüber Fledermäusen in Gebäuden zu verbessern sollten neue und phantasievolle Wege der Öffentlichkeitsarbeit entwickelt und erprobt werden. Dadurch wiederum sollten öffentliche wie private Gebäudebesitzer zu Eigenleistungen motiviert werden.
  • Das zweite übergeordnete Ziel bestand in der Erarbeitung von Konstruktionsvorschlägen für die bauliche Gestaltung von Fledermausquartieren an und in Gebäuden, einschließlich möglicher Kosten.

Die Problemanalyse als Vorbereitung für die Umsetzung des Hauptvorhabens zeigte, dass die Akzeptanz von Naturschutzmaßnahmen und die praktische Konsequenz in Form naturfördernden Verhaltens von verschiedenen Aspekten abhängig ist. Unmittelbare Voraussetzung ist die Wahrnehmung von Naturphänomenen und deren Gefährdung. Die persönliche und gesellschaftliche Bewertung oder Wertschätzung von Natur und Naturschutz spielt für deren Akzeptanz und damit für die Handlungsbereitschaft der Menschen ebenso eine Rolle, wie die Determinanten menschlichen Handelns.

Unter Berücksichtigung der genannten Punkte wurde für die Projektziele ein Konzept entwickelt, das im wesentlichen auf der Kombination von Naturerlebnis und Informationsvermittlung aufbaute. Die Kommunikationsstrategie war auf ausgewählte Zielgruppen gerichtet und beinhaltete direkte (Veranstaltungen, Infotelefon) und indirekte Instrumente (Medienarbeit, Infomaterialien). Die Außendarstellung des Projekts erfolgte über das Motto "Fledermäuse brauchen Freunde" und ein besonders ansprechendes grafisches Konzept. Aufgebaut wurde ein Mitarbeiternetz aus Vertretern unterschiedlichster Fachrichtungen, das für die Projektumsetzung sehr bedeutend war.


Öffentlichkeitsarbeit Seitenanfang

 Zusammenfassend ergaben sich aus den Maßnahmen zur Öffentlichkeitsarbeit einige Ergebnisse, die für die Umsetzung von Fledermausschutz im Siedlungsbereich wegweisend sind. So zeigte etwa die umfangreiche Medienarbeit (345 Artikel, 83 Hörfunkminuten und 53 Fernsehminuten), dass mit Hilfe von Artikeln in Tageszeitungen und Magazinen sowie über Radio und Fernsehen vor allem eine öffentliche Aufmerksamkeit erzeugt wird. Die Zahl der Menschen, die unmittelbar durch die Medienarbeit angeregt wurden, an ihrem Haus Verbesserungen für Fledermäuse vorzunehmen, war jedoch vergleichsweise gering.

Bundesweite Beachtung über die Medienpräsenz fand das Fledermaus-Infotelefon. Registriert wurden zwischen 1997 und Juli 2001 mehr als 1.700 Anrufe. Durch die laufende und hohe Inanspruchnahme bis zum Projektende zeigte sich eindeutig, dass sowohl bei den Zielgruppen des E&E-Projekts als auch in der breiten Bevölkerung ein permanenter Bedarf nach einer Informationsstelle vorhanden ist.

Neben dem Infotelefon lag der Schwerpunkt der Öffentlichkeitsarbeit auf der Durchführung unterschiedlichster Veranstaltungen, wie Fledermausexkursionen, Schulprojekten, Videoprojektionen und Fledermausfesten. Über 6.000 Menschen kamen durch die rund 100 Veranstaltungen zu einem unmittelbaren Fledermauserlebnis.

Die Veranstaltungen verdeutlichten die motivationsfördernde Wirkung eines originären Fledermauserlebnisses. Bei Kindern und Jugendlichen war beispielsweise im Vergleich zum Regelunterricht eine erhöhte Konzentration und Lernbereitschaft erkennbar. Beeindruckend waren die Reaktionen der Menschen während der Video-Projektionen. Der selten zu erlebende Einblick in die Kinderstube von Fledermäusen zog erkennbar die Besucher in den Bann und verringerte offenbar die Distanz zu den Tieren, deren Alltag ansonsten so schwer zu beobachten ist. Ein deutlicher Erkenntnisgewinn lag für die meisten Besucher darin, die Fragilität der Weibchengesellschaft mit ihren Jungtieren zu sehen und entsprechend die Bedeutung eines sicheren Quartiers zu erkennen.

Alle Veranstaltungsformen erhöhen deutlich den Sympathiewert der kleinen Flugsäuger und machen darüber hinaus die Akteure des Fledermausschutzes bekannt. Dadurch wurden letztlich viele Hausbesitzer motiviert, ihr Fledermausquartier zu melden oder ein Gebäude für die Neuschaffung eines Fledermausquartieres bereit zu stellen. In der Breitenwirkung weniger auffällig, aber für den praktischen Schutz sehr effektiv sind Fledermausseminare mit ausgewählten Zielgruppen (z.B. Architekten, Handwerker, Küster, Lehrer). Die Multiplikationswirkung der Seminare erstreckte sich sowohl auf den Tätigkeitsbereich der Teilnehmer wie auch auf deren Umfeld. Faltblatt-Serie

Neben der Medienarbeit und den Veranstaltungen diente die Entwicklung von zielgruppenspezifischen Informationsmaterialien (Infopaket Fledermausschutz) vor allem dem Ziel der Förderung der Eigeninitiative. Sehr motivierend für die Interessenten wirkt sich nach einer ersten Bilanz offenbar der umfangreiche, praxisrelevante und spezifische Inhalt aus als auch die ansprechende grafische Gestaltung.


Quartierschaffung Seitenanfang

BaubuchDer zweite Schwerpunkt des E&E-Vorhabens bestand in der Erarbeitung technischer Lösungen zur Erhaltung und Neuschaffung von Fledermausquartieren an und in Gebäuden. Hierzu wurde eng mit Handwerkern, Bauingenieuren und Architekten zusammengearbeitet. Insgesamt entstanden an 185 kirchlichen, öffentlichen und privaten Gebäuden Fledermausquartiere. Neben den konstruktionstechnischen Details und den damit verbundenen Kosten, die in dem "Baubuch Fledermäuse" dargestellt sind, ergaben sich Hinweise zu effizienten Wegen für Schutzmaßnahmen an Gebäuden. Im Hinblick auf einen wirksamen Einsatz von zeitlichen, personellen und finanziellen Kapazitäten bei gleichzeitigem hohen Nutzen für Fledermäuse war die Zusammenarbeit mit Kommunalverwaltungen erfolgreich. Eine besondere Aufmerksamkeit von Seiten des Fledermausschutzes sollte Kirchen und entsprechend den Kirchenverwaltungen als Schlüsselstelle entgegengebracht werden.

Die Arbeit auf den Baustellen zeigte sehr deutlich, dass für die Durchsetzung und qualitativ gute Umsetzung von Fledermausschutzmaßnahmen ein Mindestmaß an fachlicher und kommunikativer Sachkompetenz notwendig ist, die über die eigentliche Kenntnis des Fledermausverhaltens hinausgeht. Als Fledermausschützer ist man vor allem bei fledermausgerechten Sanierungen Vermittler zwischen den Tieren und dem Hausbesitzer bzw. seinen Auftragnehmern. Offenkundig bei Sanierungsarbeiten war das Informationsdefizit bei Hausbesitzern und Architekten hinsichtlich der gesetzlichen Grundlagen. Es war in den seltensten Fällen bewußt, dass die Zerstörung oder Veränderung eines Quartiers einer Ausnahmegenehmigung bedurfte und damit umgekehrt das rücksichtsvolle Vorgehen einer Bauauflage gleichkommt.

Im Abschlussbericht werden im Anschluss an die Darstellung der praktischen Erkenntnisse Anregungen für die tägliche - ehrenamtliche wie hauptamtliche - Fledermausschutzarbeit beschrieben. Es wird auf die Bedeutung von Kommunikationsstrategien, zielgruppenspezifischem Arbeiten und der naturkundlichen Bildung verwiesen. Für die Praxis der Quartiererhaltung und -neuschaffung werden vor allem die Aspekte Fortbildung, Schlüsselstellen und zielgerichtete Projektplanung besprochen. Darüber hinaus wird auf die Notwendigkeit von hauptamtlichen Informations- und Koordinationsstellen, der Förderung der ehrenamtlichen Arbeit und des fledermausgerechten Bauens hingewiesen. Für einen wirksamen Schutz sind darüber hinaus weiterführende Forschungs- und Erfassungsprogramme notwendig
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